Meine Kunst-am-Bau-Mosaik-Funde in Berlin im Sommer 2026
Während ich auf die Geburt meines 3. Enkels in Berlin wartete, habe ich mich auf Mosaik-Erkundung im Ostteil der Stadt begeben. Die Mosaiken am Haus des Lehrers und am wiedereröffneten Café Moskau sind mir bekannt. Diesen Sommer entdecke ich zwei weitere Wandmosaiken auf einer Baustelle an der Karl-Marx-Allee, um die Ecke der Wohnung der Familie meines Sohnes, wo ich mich aus dem oben genannten Grund diesen Sommer viel aufgehalten habe.
Ich spreche mit einer Passantin, die mich auch auf den Mosaikbrunnen im Garten des ehemaligen Staatsratsgebäudes in Berlin-Mitte hinweist. Die Idee für einen Fotospaziergang mit meiner Freundin und Fotografin Sabine Ohle ist geboren.

Mosaikbrunnen im Garten des ehemaligen Staatsratsgebäudes, heutige ESMT (European School of Management and Technology), Schlossplatz 1, 10178 Berlin, Photo: Sabine Ohle

Detail Mosaikbrunnen Ortraud Lerch, 1964, Photo Sabine Ohle
Mosaikbrunnen befindet sich im Garten des ehemaligen Staatsratsgebäudes, heutige ESMT (European School of Management and Technology), Schlossplatz 1, 10178 Berlin
Ich treffe mich an einem heißen Morgen im Juli mit Sabine, um den Mosaikbrunnen zu fotografieren. Der Garten ist täglich durch den Haupteingang der heutigen Managementschule zu erreichen.
An diesem heißen Tag betreten wir eine Oase hinter dem Humboldt Forum – dem ehemaligen Schloss von Berlin. Auf dem in den Ferien menschenleeren Gelände gibt es eine große Rasenfläche, Bäume und Beete, ein flaches Gebäude mit einem Café und eine Tischtennisplatte.
Aber der Mosaikbrunnen ist der große Farbklecks in diesem eher nüchternen Ensemble. Das Brunnenbecken ist ohne Umrandung flach in den Rasen eingelassen und hebt sich durch seine kräftigen Farben Weiß, Blau und Rot sowie die großen, fließenden Muster wunderbar von seiner Umgebung ab. Er ist ein Hingucker, lädt zum Hineinlaufen ein und ist in dem sonst eher schlicht gehaltenen Garten fast ein störendes Element. Ich bin fasziniert.
Der Brunnen wurde 1964 von Ortrud Lerch entworfen. Er wurde 2025 aus Spendenmitteln restauriert und ist nun wieder öffentlich zugänglich.
Hier eine kurze kunsthistorische Beschreibung:
https://www.museum-der-1000-orte.de/kunstwerke/kunstwerk/mosaikbrunnen/inline

Glasfenster im Treppenhaus der ESMT, Design Walter Womacka 1962, Schlossplatz 1, 10178 Berlin

Sabine und ich haben Glück: Wir können spontan noch an einer Führung durch das Gebäude der ESMT teilnehmen. Beeindruckend ist dort das große, bunte Glasfenster im Treppenhaus, das von Walter Womacka 1962 entworfen wurde und sich über drei Stockwerke erstreckt.
Interessant ist die Herstellungstechnik. Um den Eindruck von Kirchenfenstern zu vermeiden, wurden die Ornamente auf transparentes Glas geklebt. Leider konnte ich keinen Hinweis auf die Glaswerkstatt finden, die das Fenster ursprünglich herstellten, allerdings auf einen Hinweis der Glaswerkstatt die es 2012 renoviert hat. https://kunstglaserei-berlin.de/restaurierung/womacka-fenster
Die Führung bringt uns auch in den ehemaligen Festsaal des Gebäudes. Überrascht werden wir dort von einem gigantischen Wandmosaik mit dem Emblem der DDR in der Mitte und einem schlichten geometrischen Hintergrund aus Naturstein und Glas.
Es wurde 1963/64 von Heinrich Jungebloedt (1894–1976), dem Mosaikkünstler der DDR und Schüler von Puhl & Wagner, entworfen und hergestellt.
„Die 9 x 12 Meter umfassende Mosaikwand mit einem Staatswappen von 3,30 m im Durchmesser stellt den Blickfang des Saales dar und sollte durch den Glanz von etwa einer Million verarbeiteter Glas- und Natursteine eine faszinierende Wirkung auf die Besucher ausüben.“
Zitat aus *Leben und Werk des Mosaikkünstlers Heinrich Jungebloedt*, Schriftenreihe zur Geschichte der Gemeinde Eichwalde, Klaus Schädel, S. 37.
Bei meinen Recherchen erhielt ich den Eindruck, das Mosaik würde wegen seines politischen Inhalts nicht mehr gezeigt. Während unseres Besuches war der Vorhang jedoch zurückgezogen, und die Führerin meinte, man habe mittlerweile keine Probleme damit, das Mosaik auch bei der täglichen Nutzung des Saales aufgedeckt zu lassen.
Nach dieser für uns unerwarteten Entdeckung dieses Mosaiks fuhren Sabine und ich mit der U5 zur Weberwiese wo wir die Wandmosaike im Biergarten James June fotografierten

Mosaik am Biergarten James June, Karl-Marx-Allee 93, 10243 Berlin

Mosaik Detail, Biergarten James June, Berlin, Photo Sabine Ohle
„Architektin (Friedericke) Schwalbe verspricht: ‚Das große Mosaik bleibt dauerhaft für die Öffentlichkeit sichtbar und zugänglich.‘ Die WBM (Wohnungsbau Amt Berlin Mitte) präzisiert, das Wandmosaik im ehemaligen Musikpavillon werde aus nächster Nähe nur über den Biergarten zugänglich, aber von der Allee aus sichtbar sein. Das größere Wandmosaik erstreckt sich über die gesamte Rückseite des ehemaligen Verbindungsbaus und lässt sich über den Pflasterweg zwischen Biergarten und Computerspielemuseum weiterhin erkunden.“, Tagesspiegel, 5.11.2025, Robert Klages
Den Pflasterweg haben Sabine und ich betreten um an die Mosaiken heran zu kommen. Allerdings mussten wir dafür auf die Baustelle steigen (ein freundlicher Arbeiter hat uns die Erlaubnis dazu gegeben), um die Mosaiken zu fotografieren, die dort wunderschön restauriert und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
Mittlerweile ist der Biergarten eröffnet, und man kann an die Mosaiken herantreten, ohne eine Baustelle betreten zu müssen.

Mosaik am Biergarten James June, Sabine am Werk, Photo: Gertrud Müller
Leider habe ich bisher keine Informationen über die Herstellung und die Designerin oder den Designer in Erfahrung bringen können. Vielleicht wäre das noch einmal eine schöne Aufgabe für eine Mosaik-Detektivin oder einen Mosaik-Detektiv.